Über Klaus Pelizaeus

2015 | Klaus Pelizaeus (l.) | Eugen und Akkordmalocher

Klaus Pelizaeus, Komponist, Textdichter und Schlagerproduzent, vollendete 2012 am 7. November sein 60. Lebensjahr. Über 1200 Songs mit Musik und Text entstammen seiner Feder, darunter Schlager für Roger Whittaker, Heino, Leonard, Ted Herold, Jürgen Drews, Peter Petrel, Graham Bonney oder Siw Malmkvist .
Nach Gymnasiumbesuch (Essen-Werden) und Fachabitur für Kommunalwissenschaften schlug er zunächst die Beamtenlaufbahn ein, wurde Oberinspektor und Beamter auf Lebenszeit. Drei genehmigte Nebentätigkeiten (u.a. für eine Tageszeitung), die Wochenendjobs in einer Band und die Kreativarbeit daheim sorgten stets für volle Terminkalender. 1980 erhielt er einen Autorenvertrag beim Budde-Musikverlag in Berlin, dem er zunächst alle Songs als Option anbot. 1982 kündigte er nach genau zehnjähriger Beamtenzeit seinen sicheren Beamtenstatus, um einen Autorenvertrag exklusiv bei GLOBAL in München anzunehmen.
In dem Jahr war er erstmals in der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix mit dem Titel "Arktis Lady" vertreten (bekanntlich gewann seinerzeit Nicole). Die exklusive Bindung an einen Verlag hatte zwar finanzielle Vorteile, brachte aber keine spürbaren Erfolge. 1983 nahm K.P. eine Stellung als Redakteur innerhalb der WAZ-Gruppe an, intensivierte aber die Autorentätigkeit. Die damalige Coverband "Swinging Cocktails" , u.a. mit Sängerin Andrea Held und Gitarrist Eugen Giepen, wurde für volkstümliches Repertoire umbenannt in "Eugen & Akkordmalocher".
Man arbeitete zweigleisig: mit Tanzmusik bei den "Cocktails" und mit eigenen Liedern (u.a. "Bratkartoffeln", "Lass doch die Grawestroot" etc.) mit den "Malochern" im Karneval.
Innerhalb der Zeitungsgruppe wurde K.P. die Leitung zweier Wochenblätter übertragen, was ihm gar nicht so lieb war. Nach genau zehnjähriger Festanstellung als Redakteur bat er um Vertragsaufhebung und Beschäftigung erneut als freier Mitarbeiter. Der Verlag machte mit. Der Vorteil: die Blätter blieben, die feste Arbeitszeit entfiel, Redaktionsarbeit fand nur noch dreimal die Woche statt.
Inzwischen nahm K.P. als Produzent seine Stücke selbst auf, bevorzugte für seine Aufnahmen schließlich das Kamener Hermes-Studio, in dem schon die Flippers den Grundstein für Platin-Erfolge legten. Hier entstanden Radio-Dauerbrenner wie "Ich wünsch´ mir einen Morgenkuß" (Playa Rouge), "Schöne Männer" (Xandra Hag) oder später "Lieber nehm´ ich dich" (Sally Carter). Als 1995 von K.P. "Doreen" und "Hey du" mit Leonard (KOCH) als-A-Seite veröffentlicht wurden, profitierten beide davon. Leonard hatte seinen endgültigen Durchbruch, Klaus Pelizaeus seine Referenz. Ein Jahr später, im GEMA-Auszahlungsjahr 1996, arbeitete K.P. noch seinen Nachfolger in der Redaktion ein und hängte mit einem lachenden und einem weinenden Auge nun auch den Redaktionsjob an den Nagel. "Man kann schließlich nicht mit mehr als 100 % auf allen Hochzeiten tanzen."
Seitdem ist K.P. (verheiratet, dreifacher Familienvater) nur noch mit Musik beschäftigt. Am 8.8.88 hatte er den ALIBABA-Musikverlag gegründet , am 9.9.99 das Label "A la tete" (an die Spitze). Auf dem hauseigenen Label wurden u.a. "Robinson" und "Freunde" (Eugen & Akkordmalocher") veröffentlicht, aber auch Weihnachtstitel von Playa Rouge oder Michael Kern.
Inzwischen produziert der Essener exklusiv Xandra Hag, Playa Rouge, Michael Kern, Sally Carter, Oliver Hardt, Andrea Held und seine Tochter Dana Pelizaeus. In den letzten Jahren lieferte er auch "Song-Pakete" für Heino, Siw Malmkvist, Ann und Andi, Nina Lizell, Anne Karin, Marion Maerz, Lys Assia, Tina Rainford, Halve Hahn, Nina Puder und schrieb Texte für die Gruppen Rendezvous und Looping sowie für die Newcomer Angelina, Andy Wolff und Michael Karp. Für Hobbies bleibt aber dennoch viel Zeit. 20 Jahre Hallenfußball haben ihre Spuren an den Knochen hinterlassen, aber ein bisschen Tennis geht immer, Radfahren sollte er ruhig öfter. In den Gartenvolieren warten jeden Morgen ca. 100 Vögel (meist Kanarien und Wachteln), aber auch Fische auf Hege und Pflege. Die Vögel werden im Frühjahr in Einzelboxen gezüchtet.

Wie kam K.P. eigentlich zur Musik?
Vater Ewald Pelizaeus (verst. 1970), unter sieben Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen, hatte Geige gelernt und später ausgezeichnet Mundharmonika gespielt. Er zog wie einst K.P.`s Großvater mit Pferd und Wagen von Haus zu Haus, um Milchprodukte zu verkaufen. Später unterhielt er drei Lebensmittelläden, die Sohn Klaus auf keinen Fall übernehmen wollte. Schon früh am Morgen der Kunden wegen ein freundliches Gesicht zu machen, das war nicht sein Ding.
Mutter Klara, mit sechs Geschwistern in Gelsenkirchen unweit der Schalker Glückauf-Kampfbahn aufgewachsen (Vater war im Pütt), hatte Akkordeon gespielt. Dieses Uralt-Gerät hatte der Filius später vorgefunden, sich umgehängt und geübt. Als die Eltern den Knirps spielen hörten, freuten sie sich, wunderten sich aber über das Bild. Er hatte den Kasten verkehrt rum, die Tasten links. So passierte es auch später mit dem ersten gebrauchten Schlagzeug: Wie es aus dem Kofferraum des Autos kam, so wurde es hingestellt und betrommelt: Bass-Drum am linken Fuß statt rechts, Hi-Hat rechts statt links, Toms wirr verteilt. Aber alle klangen genauso laut wie bei einem Profi. Gitarrengriffe wurden auch nicht erklärt, die wurden "erhört". Man ortete doch am Klang, wo die Finger hinmussten. So kam es, dass K.P. (fast) alle Instrumente spielt, aber keines richtig oder zumindest optisch ordentlich. Musik studieren (z.B. an der Folkwangschule Werden) durfte er nicht. Vater: "Kunst ernährt keinen Mann." Sinnigerweise landete er dann doch dort, nämlich als Inspektor-Anwärter innerhalb des Kulturamtes (war sein Lieblingsamt). Von dort kamen dann auch immer die Schlagzeuger seiner späteren Tanzcombo "Swinging Cocktails".

Was mag er besonders?
Fresien (die duften so schön), Rotwein (trinkt er abends gern mal mit Beate), den Humor von Otto, Mr. Bean, Jürgen von der Lippe, Rüdiger Hoffmann, Herbert Knebel und Atze Schröder, Filme mit Jack Nicholson, Bücher lesen im Urlaub, Fußball-Bundesliga und alle Spiele der Nationalmannschaft, Pfeffer-Steaks, chinesisches Essen (scharf), Puddingteilchen (beenden bei ihm fast jede Diät), große Pflanzen im Wintergarten.

Was die Musik angeht: Beach Boys (davon hat er fast alle LP), Hollies, Creedence Clearwater Revival, überhaupt den Beat der 60er, aber auch Westernhagen, Grönemeyer, Pe Werner oder Achim Reichel.